Dortmunder Modell

Das Dortmunder Modell: Musik                                                   

  1. Beginn
1.1 Das Team
1.2 Beteiligte Projektpartner
2. Das Dortmunder Modell: Musik – Verfahren und Strukturen
2.1 Das Musikalische Interview
2.2 Breitenbildung
2.2.1 Instrumentalunterricht
2.2.2. Der Chor stimmig
2.3.Talentförderung: Instrumentalunterricht
2.4 Professionalisierung
2.5 Workshops: Vertiefung
2.6 Ziel: Kulturelle Teilhabe
  1. Wege in die Öffentlichkeit
3.1. Konzerte an besonderen Orten
3.2 Ausstellung musik inklusiv
3.3 piano plus in Brasilien
  1. domo vision
4.1 Das Abschlusskonzert: Musikalische Mitteilungen
4.2 domo vision – der Film
  1. So geht es weiter
5.1. Musiktheater I can be your translator
5.2. Tanzorchester Paschulke
5.3. NIA extended version
5.4 piano plus   
  1. Musik als Beruf
  2. Dank
  1. Beginn

Nur zur Erinnerung: Der § 30, Abs. 2 der UN-Behindertenrechtskonvention lautet

“Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potential zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft.“

Das ist ein gewichtiges Argument, immer wieder „geeignete Maßnahmen“ für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit unterschiedlichen Lebens- und Lernvoraussetzungen auf den Weg zu bringen. Maßnahmen von der musikalischen Frühförderung bis zur Erwachsenenbildung. In unserem Fall ein Projekt der Erwachsenenbildung.

Eine dieser Maßnahmen war der Antrag auf das dreijährige Projekt „Dortmunder Modell: Musik“ beim Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Die gute Nachricht zum Jahresende 2009: Der Antrag ist genehmigt!

Im März 2010 beginnt DOMO an der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund.

Wir möchten zeigen:

  • In den Dortmunder Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten manche, vielleicht sogar viele Menschen, die Musik nicht nur lieben, sondern sie auch gern machen würden. Wenn sie die Gelegenheit gehabt hätten, ein Instrument zu lernen oder anderweitig musikalisch tätig zu sein.
  • Ein angemessenes Angebot zu musikalischer Praxis führt bei erwachsenen Menschen mit Behinderung zur aktiven kulturellen Teilhabe und zur Entfaltung ihrer künstlerischen Potentiale.
  • Aktive musikkulturelle Teilhabe an der Musikkultur führt zur Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung im öffentlichen Kulturleben und trägt dazu bei, das Selbstbild von Menschen mit Behinderung und das Bild von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft positiv zu verändern.

1.1 Das Team  

Univ.- Prof. Dr. Irmgard Merkt, TU Dortmund

Projektleitung, Verwaltung, Berichte, Chor stimmig  

Claudia Schmidt

Konzeptentwicklung, Arrangements, musikalisch-künstlerische Leitung 

Lis Marie Diehl

Konzeptentwicklung, Organisation, künstlerische Leitung Bühnenprojekte         

1.2 Projektpartner 

Zentrale Partner für DOMO: Musik waren die drei Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Dortmund. Sie bieten Arbeitsplätze für etwa 1.300 Menschen mit Behinderung:

  • Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt Dortmund

WAD Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt Dortmund, Betriebsstätte Lindenhorst, Lindenhorster Straße 38 Kunstatelier Lindenhorster Straße 38  44147 Dortmund

  • Werkstatt über den Teichen Oberevinger Str. 149, 44339 Dortmund
  • Werkstätten Gottessegen Christopherus-Haus Kobbendelle 40, 44229 Dortmund

Weitere Partner

  • Max Wittman Schule Oberevinger Straße 155. 44339
  • Musikschule Dortmund, Steinstr. 35, 44147 Dortmund
  1. Das Dortmunder Modell: Musik – Verfahren und Strukturen

 2.1 Das Musikalische Interview

Nicht alle Menschen können und wollen auf dieselbe Weise mit Musik umgehen. Aufgabe von DOMO: Musik war es, Werkstattbeschäftigte zu finden, die ihrem Leben einen neuen musikalischen Akzent geben können und wollen, Menschen also, die ein Instrument erlernen und in Ensembles spielen wollen – oder Menschen, die einfach “nur” gern singen wollen.

Anstelle eines Castings im Sinne einer Aufnahmeprüfung wurde das “Musikalische Interview” als neues Instrument entwickelt, mit dessen Hilfe musikalisch interessierte und talentierte Menschen in den WfbM entdeckt werden konnten.

Im Rahmen der Interview-Phase wurden alle Arbeitsgruppen in den drei WfbM während der Arbeitszeit besucht, um allen interessierten Beschäftigten die Gelegenheit zur Teilnahme am Interview zu geben. Meist waren ca. 10 Personen pro Gruppe an einem ersten musikpraktischen Teil beteiligt: Der musikalische Teil besteht aus einer etwa zehnminütigen Sequenz der Nachahmung und des Mitmachens: In zwangloser Runde sitzen zehn bis zwölf Werkstatt-beschäftigte um einen Tisch und ahmen die Impulse nach, die von Claudia Schmidt gegeben werden. Musikalisches Material ist der Rhythmus kurz kurz lang oder bum bum tschak oder klatsch klatsch patsch, er wird geklatscht und auf die Tischplatte gepatscht. Die Melodie „We will, we will rock you“ kommt hinzu. So wird deutlich, wer sich mühelos “einfädelt”, wer sich „ungefähr“ und wer sich überhaupt nicht einschwingen kann oder mag. Dem folgt eine Sequenz der Bewegung zur Musik. Schließlich werden in einem biographischen Teil in Einzelgesprächen Vorerfahrungen und Interesse, musikalische Vorlieben und der evtl. Besitz von Instrumenten festgehalten.  

Das Musikalische Interview wurde von den Werkstätten selbst als wichtiges Instrument gesehen. Es hat den Blick auf Menschen gelenkt, deren Musikalität vorher noch nicht sichtbar geworden war.

In einem Zeitraum von 5 Monaten werden 679 Interviews geführt, 220 Werkstattbeschäftigte erhalten probehalber Gruppenunterricht im Rahmen einer dreimonatigen Erprobungsphase. 80 von ihnen zeigen weiterführendes Interesse am Erlernen eines Instruments. 

2.2 Breitenbildung

2.2.1 Instrumentalunterricht

 Die Ebene der Breitenbildung hat musikalisch-inhaltlich und auch organisatorisch zwei Angebotsbereiche: Instrumentaler Anfangsunterricht und Chor. 220 Werkstattbeschäftigte erhalten, wie oben erwähnt, drei Monate lang Anfangsunterricht im Instrument ihrer Wahl, der Gruppenunterricht innerhalb der Werkstatt erteilt. In diesen drei Monaten soll den Einzelnen eine fundierte Entscheidung für einen längerfristigen Instrumentalunterricht ermöglicht werden. Nach einem Jahr ist der Übergang in die Talentförderung und damit in den Instrumentalunterricht an der Musikschule Dortmund geplant.

Parallele Kleinensembles in den Werkstätten machen vor Ort ein niedrigschwelliges

Angebot, um das Musizieren in der Gruppe auszuprobieren. Nach drei Monaten setzen 80 Interessierte einen systematischen wöchentlichen Instrumentalunterricht fort.  Zur Talentförderung siehe unten.

2.2.2. Der Chor stimmig

 Das zweite Angebot der Ebene Breitenbildung war auf die gesamte Projektdauer angelegt. Es beinhaltet einen inklusiven Chor, der bewusst außerhalb der Werkstätten an der TU Dortmund angeboten wird. Für die Werkstattbeschäftigten ist er gedacht als voraussetzungsloses Freizeitangebot – es gibt keine Aufnahmebedingung, kein Probesingen. Dies gilt ebenso für Studierende der TU Dortmund und andere Interessierte. Der Chor mit dem Namen „stimmig” ist ein Freizeit-, Bildungs- und Erfahrungsangebot für alle Beteiligten.

Etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am „Musikalischen Interview“ hatten angegeben, gerne zu singen und auch in einem Chor singen zu wollen. Etwa 30 von ihnen kamen dann tatsächlich regelmäßig und lange.

Im inklusiv angelegten Chor „stimmig“ waren grundsätzlich alle willkommen, die gerne singen. Wer kommt, singt mit. Es kamen Menschen mit Behinderung aus den drei dortmunder Werkstätten, manchmal mit Müttern, Freunden und Verwandten, es kamen Studierende der Fakultät Rehabilitationswissenschaften und Studierende mit Behinderung aus anderen Fakultäten der TU Dortmund, es kamen Studierende der Seniorenstudiengänge, internationale Studierende aus Indien und Ecuador und manchmal auch Mitglieder des Behindertennetzwerkes Dortmund.

Das heißt: Chorerfahrene stehen neben Neulingen, die Einigung auf eine Tonhöhe gelingt nicht immer. Ein solch heterogener Chor verlangt auch ein heterogenes Chorverständnis; die Orientierung an einem traditionellen Chorklang wäre eine starke musikalische Einschränkung und würde in der Tat auch nicht klappen. Methodische Prinzipien sind die spielerische Gehörbildung im Rollenspiel und in Bewegung, Rhythmiktraining mit Bodypercussion, Konzentrationstraining mit Überraschungsmomenten, grundsätzliches Singen ohne Noten, dafür mit Bewegung.

Musikalisch-inhaltlich folgt der Chor einer Idee von kultureller Bildung: Alle lernen Musik jenseits des medialen samstäglichen Mainstreams kennen. Lieder und Tänze aus anderen Zeiten und Kulturen, neue und alte Musik von hier und da.

Jedes Semester folgt einer inhaltlichen Thematik. Die musikalischen Elemente werden zu einer Gesamt-Erzählung zusammengefügt, die mit Einsatz von Sprechstimme und Gesang, Improvisation und Reproduktion, Bodypercussion, szenischen Elementen und dem Einsatz von Klein- und Effektinstrumenten schließlich öffentlich aufgeführt wird. Themen waren etwa „Bilder einer Ausstellung“, „Wasser“, „Einfach tierisch“ usw.

Der Chor tritt zweimal jährlich auf : Zu Ende des Wintersemesters im Internationalen Begegnungszentrum der TU Dortmund, das auch der Probenort war – und zu Ende des Sommersemesters an verschiedenen Orten: Im Museum Ostwall im Dortmunder U, in der Fußgängerzone, im Rahmen der Großveranstaltung „just in time, just in sequence“ im Bochumer Schauspielhaus im Rahmen der chor.com. 2015 und beim jeweiligen Sommerfest der TU Dortmund.

Mehr zum Chor, zum Konzept und den Inhalten auf dieser Homepage unter dem Stichwort „Chor“.

2.3 Talentförderung und Instrumentalunterricht

Wie bereits erwähnt, entscheiden sich 80 Werkstattbeschäftigte nach der Erprobungsphase für weiterführenden Instrumentalunterricht. Neben Gesang werden unterrichtet: Violine, Klavier, Keyboard, Saxophon, Querflöte, Congas, Schlagzeug, Bass, E-Gitarre, Konzertgitarre, Klarinette, Trompete und Tenorhorn. Die Instrumente werden teils ausgeliehen, teils sind sie in Besitz der Schülerinnen und Schüler.

Die Unterrichtsdauer orientiert sich an den jeweiligen Bedürfnissen und Möglichkeiten. Für einige reicht die vorgesehene halbe Stunde, andere brauchen 45 Minuten oder die volle Stunde. Die Instrumentallehrer sind inhaltlich und methodisch flexibel und auf ihre neuen Schülerinnen und Schüler eingestellt. Sie unterrichten z. T. mehrere Instrumente und wechseln nach Bedarf und musikalischer Situation das Instrument und auch von der Melodie zur Begleitung. Mit dem Kleingruppenunterricht ist sehr bald die Teilnahme an größeren Ensembles verbunden, die gemeinsam mit professionellen Musikerinnen und Musikern eingerichtet werden.

Eines der Ziele von DOMO war der dauerhafte Übergang in bereits bestehende Strukturen und Institutionen. Daher wurde eine Zusammenarbeit mit der Städtischen Musikschule Dortmund mit dem Ziel des Übergangs in den dortigen Unterricht aufgebaut. Nach Ende des zweiten Modellversuchsjahres wechseln 33 DOMO-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer an die Musikschule Dortmund.

Die Musikschule Dortmund hat sich hier sehr engagiert und für sechs Monate eine Organisatorin eingestellt, die als Kontaktperson zwischen DOMO: Musik, Verwaltung, Lehrkräften und Familien fungierte und die vielen organisatorischen Ebenen im Hintergrund bediente.

2.4 Professionalisierung

Das Ensemblespiel hat im Rahmen der Talentförderung begonnen; es wird in der Phase der Professionalisierung intensiviert. Es geht nun verstärkt darum, die erworbenen musikalischen Fähigkeiten im Ensemble einzubringen und sich schließlich auch immer öfter in der Öffentlichkeit zu zeigen. Zusätzliche Qualifizierungen werden als unerlässliche Voraussetzungen für weitere Professionalisierung angestrebt: Musikalische Präsenz, Bühnenpräsenz, Zusammenspiel, Konzentration und Ausdauer. In kleinen Vorspielen und Konzerten werden die notwendigen Kompetenzen geübt und erworben.

Der persönlichen Erfahrung folgt die Teilhabe am öffentlichen Kulturleben als Akteur. Möglich wird dieser Weg der Professionalisierung durch bereits bestehende Kontakte der DOMO-Mitarbeiterinnen mit der musikalischen Profi-Szene in Dortmund und über die Zusammenarbeit mit professionellen Musikerinnen und Musikern aus dem ganzen Ruhrgebiet, aus Mainz und Hamburg.

Ziel ist die Etablierung von stabilen Ensembles, die in zunehmendem Maße Teil des öffentlichen Kulturlebens werden und aus der Nische der „Behindertenkultur” heraustreten. Das öffentliche Kulturprogramm wird um Ensembles bereichert, in denen Menschen mit Behinderung selbstverständliche und qualifizierte Ensembleteilnehmer sind.

Im zweiten und dritten Projektjahr werden gegründet:

  • piano plus – minimal crossover
  • NIA extd. version – Singer/Songwriter
  • i can be your translator – Elektropop & Musiktheater
  • Die Skeptiker – Pop, Jazz
  • Hurricane – Classic Rock
  • Marshall Cooper extd. version – Brass

Bald werden die Ensembles von regionalen und überregionalen Veranstaltern wahrgenommen und engagiert. Eine erste wichtige Station ist 2011 das internationale Straßentheater-Festival „Alles muss raus!“ in Kaiserslautern mit einem Auftritt von Marshall Cooper extd. version.

Eine enge Verbindung besteht auch zum renommierten Dortmunder Jazzclub domicil – insbesondere zu dem dort stattfindenden DIS – Dortmunder inklusives Soundfestival –, das vom Verein Gesamtkunstwerk e. V. (https://www.gesamtkunstwerk-ev.de/ zuletzt 25.05.2026) veranstaltet wird. Auch hier haben die DOMO-Ensembles die Möglichkeit, sich vor einem großen und anspruchsvollen Publikum zu präsentieren. Mehr dazu auch unter https://www.dis-festival.com/ (zuletzt 25.06.2026) und https://www.gesamtkunstwerk-ev.de/dis (zuletzt 25.06.2026)

2.5 Workshops: Vertiefung

 Im Kontext der Professionalisierung gehören Wochenendworkshops zum Konzept von DOMO: Musik. Zum einen dienen sie musikalischen Erfahrungen, die nur in der Gruppe gemacht werden können. Zum anderen ermöglichen sie ein Einschwingen in neue, in experimentelle musikalische Prozesse, die ihre Zeit brauchen. Zum dritten können Erfahrungen mit verschiedenen externen Lehrkräften gemacht werden, die spezielle musikalische Inhalte vertreten. Und schließlich sagt die Teilnahme an Wochenendworkshops auch etwas über ein persönliches Engagement für den aktiven Umgang mit Musik aus.

Workshopthemen:

  • Community Rhythm Circle
  • Stockkampf
  • Musik experimentell
  • Vocal
  • Latin Percussion

Ein interdisziplinärer Workshop wird zusammen mit DOMO: Kunst, dem Parallel-Projekt an der AWO Werkstatt Dortmund, durchgeführt. Titel: „Mein Blickwinkel Dortmund“. Während gemeinsamer Rundgänge an ausgewählten Dortmunder Orten sammeln die Künstlerinnen und Künstler der AWO visuelles und die DOMO-Musikerinnen und -Musiker akustisches Material.

In einer Installation im Rahmen eines Sommerfestes der AWO werden die Bilder in einer Ausstellung zusammengefasst. Beim Herantreten an die Bilder erklingen Tonaufnahmen, die genau an den Orten aufgenommen wurden, an denen auch die Bilder sind. Die grafische Struktur etwa der der Möllerbrücke und der S-Bahngleise findet ihr akustisches Pendant in den Aufnahmen der Geräusche an- und abfahrender Züge.  

2.6 Ziel: Kulturelle Teilhabe

 DOMO: Musik wird auf drei Ebenen wirksam. 

  • Eine erste Ebene ist die der Persönlichkeitsentwicklung im Kontext von Erwachsenenbildung: Menschen mit Behinderung entfalten ihr kreatives Potential mit der Chance, sich in Freizeit und auch in Teilaspekten ihres beruflichen Lebens musikalisch zu betätigen und dies als sinnstiftend zu erleben.
  • Die zweite Ebene von DOMO: Musik richtet den Blick auf die professionellen Musikerinnen und Musiker. Im Unterricht und im Ensemblespiel mit Menschen mit Behinderung machen auch sie neue Erfahrungen. Sie entwickeln pädagogische und künstlerische Ideen, die sich wiederum in andere Unterrichtskontexte übertragen lassen. DOMO: Musik trägt auch auf dieser Ebene zur Normalisierung des Umgangs miteinander bei.
  • Die dritte Ebene bezieht sich auf den in der UN-BRK genannten Aspekt der “Bereicherung der Gesellschaft”: Inklusive Musikensembles auf den Bühnen der Festivals und im Spielbetrieb der Theater und Konzerthäuser machen die Kompetenzen von Menschen mit Behinderung öffentlich und beeinflussen die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung durch das Publikum.
  1. Wege in die Öffentlichkeit

 Musik und Inklusion entfaltet ihre Wirksamkeit in der Öffentlichkeit des Kulturlebens. Zur inklusiven Wirksamkeit gehört die Rezeption, gehört das Erleben von inklusiven Ensembles, das Erleben der künstlerischen Kompetenzen von Menschen mit Behinderung gerade auch auf den Bühnen, die bislang den sogenannten Nichtbehinderten vorbehalten war.

Ein wenig wollen Menschen mit und ohne Behinderung gelegentlich auch überrascht werden – deshalb hat DOMO: Musik einige Konzerte an musikungewohnten Orten veranstaltet und auf diese Weise auch ein neues Publikum angezogen.

3.1 Konzerte an besonderen Orten

3.1.1 Spitzenspiel: Musik. Station 17 trifft DOMO

 Das BORUSSEUM ist das Vereinsmuseum des BVB Dortmund. Es liegt im ersten Stock der Nordost-Ecke des Stadions von Borussia Dortmund (Signal-Iduna-Park) und ist nur durch den Fan-Shop, aber immerhin barrierefrei zu erreichen. Man betritt das BORUSSEUM über einen Vorraum – und gerade dieser eignet sich sehr gut für ein besonderes Konzert.

Es war nicht schwer, die Geschäftsstelle des BORRUSSEUM von einem inklusiven Konzert mit dem Titel Spitzenspiel: Musik zu überzeugen. Und so haben am 17. 09. 2012 Mitglieder der bekannten Formation Station 17 aus Hamburg mit unseren DOMO-Musikerinnen und -musikern auf der Basis von Improvisationen auf elektronischen und traditionellen Instrumenten das Programm „Spitzenspiel: Musik“ gestaltet. Es bestand aus Live-Musik und elektronischen Klangcollagen. Erarbeitet wurden die musikalischen Prozesse in einem Wochenendworkshop vorab.

Konzerte an besonderen Orten. MusikInklusiv. Konzert im BORUSSEUM, Dortmund. Station 17 trifft DOMO.

https://www.youtube.com/watch?v=c3n5_tuBKnQ  

3.1.2 Washing Machines and Crew

Die Betriebsstätte Lindenhorst der AWO Dortmund war nicht nur Projektpartnerin im Bereich Kunst. Sie wurde für einen Abend auch Projektpartnerin Musik. Eine Besichtigung aller Abteilungen der AWO-Werkstätten führte eines Tages in die Wäscherei. In der riesigen Halle standen nicht nur gefühlt fünf Meter hohe riesige Wasch- und andere Dampfmaschinen, sondern auch zwei Maschinen, die es heute, 14 Jahre nach der „Premiere“ vermutlich nicht mehr gibt. Eine war die liebenswürdig-klackernde Unterhosen-Falt-Maschine, die andere ein viereckiges zischendes Ungeheuer, das Nachthemden naß verschluckt und trocken wieder ausspuckt: Fast eine Geisterbahn.

Der Leiter der Wäscherei fand ein Konzert für Maschinen und DOMO-Musik ziemlich verrückt, ließ uns aber kopfschüttelnd einen Abend gestalten.

Ja, es wurde ein sehr besonderes Konzert. Besonders, weil es so furchtbar heiß war an diesem Juli-Abend zwischen den dampfenden Maschinen. Und das Öffnen der großen Rolltore ließ nur noch heißere Luft herein…

Besonders wurde der Abend aber auch durch die Improvisationen der Musikerinnen und Musiker mit den Maschinen. Das Schlagzeug ging in Resonanz mit der unnachahmlichen Unterhosen-Falt-Maschine, die mit sich aufstellenden Kläppchen dafür sorgte, dass die aufgelegten Schlüpfer links und rechts eingefaltet und schließlich die Zwickel hochgeklappt wurden, so dass jedes Wäschestück als kleines Paket aus der Maschine genommen und in einen Korb gelegt werden konnte. Klapp – klapp – schschschsch – klapp. Fertig. Eine hervorragende Vorlage für Schlagzeugrhythmen!

Saxophone und Querflöten korrespondierten ebenso hervorragend mit der Nachthemden-Trockenmaschine. Als es etwas dunkler wurde, kamen Scheinwerfer und die Nebelmaschine zum Einsatz und die Wanderung der Musikerinnen und Musiker zwischen den Maschinen wurde bunt, leicht chaotisch und geisterhaft. Improvisation at it`s best.

Der Kommentar des vorher so kritischen Werkstattleiters: „Das ruft nach mehr“. Na bitte, geht doch!

3.1.3  The Lion sleeps tonight

Vom Superhit The Lion sleeps tonight gibt unzählige Aufnahmen an den verschiedensten Orten der Welt. Eine Aufnahme in einem Raubtierhaus direkt zwischen Löwen und Tigern hinter Panzerglas ist nicht so häufig. Ja, genauso haben wir es gemacht. Das alte Raubtierhaus im Dortmunder Zoo war 1978 gebaut worden. Ein langgestreckter rechteckiger Raum mit Platz für etwa 150 Stühle war innen verglast – und so war das Leben der Raubkatzen, das Leben von Tigern links und das Leben von Löwen rechts aus dem Innenraum heraus gut zu beobachten. Für die Raubkatzen schalldicht, konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer Lärm oder sogar Musik machen, ohne die Tiere zu stören.

Für einen Abend, auch die Zoo-Mitarbeiter hatten ihren Spaß, haben wir dann auch tatsächlich Musik gemacht,. Mit DOMO-Musikerinnen und – Musikern und einer kleinen Schulband der Max-Wittmann-Schule. Natürlich „The Lion sleeps tonight“ geradezu Pflichtprogramm. Und die Löwenfamilie? Überhaupt nicht geschlafen hat die Löwin. Sie war ziemlich aufgeregt und schlug mit einer Pfote immer wieder gegen das Glas, um Zuschauer zu vertreiben. Das fühlte sich zwischendurch shcon etwas bedrohlich an. Irgendwann hat sie sich dann beruhigt. Sehr ruhig war einen Raum weiter der Löwe. Er lag über einem Baumstamm., die Augen geschlossen und schlief oder meditierte, wer weiß das schon. Auf der anderen Seite des „Schaukastens“ lag vollkommen entspannt ein prachtvoller und gelegentlich gähnender TigerIm Anschluss an das Konzert hatten wir für alle Musikerinnen und Musiker eine Nachtführung durch den Zoo gebucht. Das Faultier hat uns alle am meisten beeindruckt!

3.2 Ausstellung musik inklusiv

 Die TU Dortmund „bespielt“ das erste Stockwerk des Dortmunder U, das 2010 als Kulturzentrum eröffnet wurde. „Mit der Einrichtung ihres Campus Stadt auf der Hochschuletage im Dortmunder U macht die Universität ganz bewusst einen Schritt in die Dortmunder Innenstadt und auch auf die Dortmunder Bevölkerung zu. Der Campus Stadt ist das Fenster der Technischen Universität in ihrer Stadt. Die Präsenz im Dortmunder U eröffnet Lehrenden wie Studierenden neue Erfahrungsräume und Möglichkeiten, sich aktiv in die Stadtgesellschaft einzubringen.“ (https://www.tu-dortmund.de/universitaet/tu-kultur/tu-im-u-campus-stadt/ zuletzt 26.05.2026)

Vom 6. September bis 7. Oktober 2012 widmet sich die Hochschuletage dem Thema Musik und Inklusion. Das Lehrgebiet Musik in der Fakultät Rehabilitationswissenschaften trägt mit seinen Aktivitäten „InTakt“ und „Europa InTakt“ seit langen Jahren dazu bei, Modelle inklusiver Musikkultur zu entwickeln und zu vermitteln. Das „Dortmunder Modell: Musik“ zeigt, wie Teilhabe Schritt für Schritt gelingen kann, der Förderpreis InTakt der miriam-stiftung zeichnet herausragende musikalische und inklusive Projekte aus.

All dies soll mit der Ausstellung in kompakter Form für die Öffentlichkeit sichtbar werden. Auf sechs freihängenden Bannern von zwei mal drei Metern werden sechs Tätigkeitsfelder dokumentiert. Jedes der Banner zeigt in einem großen Hauptbild, einer Bilderstrecke und einem Informationstext ein Tätigkeitsfeld, auf der Rückseite des Banners steht ein Zitat über Musik. Die Themen der Banner: „DOMO“, „Konzerte an besonderen Orten“, „Europa InTakt“, „Förderpreis InTakt“, „Projekte“ und „just fun“. Jedem der Banner ist ein permanent laufender Film zugeordnet, der die dazugehörigen Aktivitäten dokumentiert – der Ton kann über Kopfhörer gehört werden. Über 3000 Menschen haben die Ausstellung besucht. Fünf Konzerte und die Tagung „mittendrin“ der LKJ sind Teil des Ausstellungsprogramms. Informationen zur Ausstellung gibt es in Leichter Sprache und in Braille-Schrift, ein Audio-Guide steht zur Verfügung. Die Eröffnung wird von einer Gebärdensprachdolmetscherin begleitet.

Die beiden Fragen „Was ist Musik“ und „Warum singen die Vögel“ beantworten DOMO-Mitwirkende in einem Kurzfilm, der  für die Ausstellung produziert wurde. Und sie machen Musik mit dem Wort Musik.

https://www.youtube.com/watch?v=nTKPqeX98Tk&t=73s

Piano plus – La Valse dÀmelie

https://www.youtube.com/watch?v=Jn1kI-Y64So&list=RDJn1kI-Y64So&start_radio=1

Aus dem Konzert vom 18.09.2026: Nia Extended Version – Misery

https://www.youtube.com/watch?v=WVVHJEUfXD8

 Die Ausstellung wird im Frühjahr 2013 im Pädagogischen Zentrum in Hamm und im Juli 2014 im Düsseldorfer Landtag gezeigt.

3.3  piano plus in Brasilien

In den Jahren 2013 und 2014 wird auf Initiative des Auswärtigen Amtes das Projekt„Deutschland & Brasilien 2013–2014“ durchgeführt: Deutschland zeigt sich als attraktiver Kultur- und Wirtschaftspartner. 140 Projekte aus Deutschland konnten sich in diesem Kontext in Brasilien präsentieren – eines von ihnen war piano plus. Die Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund, das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo sowie die Staatskanzlei NRW haben die Reise ermöglicht.

Das Ensemble piano plus – angekündigt als piano inclusive – absolviert von 22. Oktober bis 02. November 2013 ein intensives Programm. In Rio de Janeiro präsentiert sich das Ensemble im Rahmen des internationalen Kongresses “Il Colóquio Internacional de Educação e Inclusão” mit Workshops, Podiumsdiskussionen und Konzerten an der Universidade Federal do Estado do Rio de Janeiro (UNIRIO).

Auch in der Deutschen Schule in Rio de Janeiro interessieren sich Leitung, Kolleg_innen und Schüler_innen für Konzept und die musikalische Qualität von DOMO.

Auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Sao Paulo übernachten wir in der historischen Altstadt von Paraty. Und Linda bekommt ein neues Kleid. In São Paulo ist eine Einrichtung der APAE der nächste Anlaufpunkt; die APAE ist der deutschen Lebenshilfe vergleichbar.

Ein Abendkonzert an der USP, der Universität São Paulo und am darauffolgenden Tag ein Mittagspausenkonzert im Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) runden die Tournee ab. Ein interessiertes Publikum hatte die Gelegenheit, die Arbeit von DOMO als Modell für inklusive Prozesse kennenzulernen und Anregungen für die eigene Arbeit mitzunehmen.

DOMO-Musiker_innen haben interessante Projekte in Rio und São Paulo kennengelernt. Und gelernt, dass die Seilbahnen auf den Zuckerhut und alle Wege rund um den Gipfel vorbildlich barrierefrei sind!

Im Oktober 2014 war DOMO in Rom im Rahmen der Tagung II Convegno Internazionale in Educazione e Inclusione präsent. Grundsteine für weitere internationale Kontakte sind gelegt.

  1. domovison

Drei Jahre DOMO: Musik. Drei Jahre Aufbau von institutionellen Kontakten und Strukturen führen zu einer produktiven Vernetzung der drei Dortmunder Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit der Musik- und Kulturszene, den Musikschulen und der TU Dortmund. Drei Jahre Instrumentalunterricht für Menschen mit Behinderung bedeuten musikalische Entwicklung, Austausch zwischen verschiedenen Musikerinnen und Musikern und Aufbau projektbezogener oder auch dauerhafter Formationen. Drei Jahre inklusive Ensemblebildung bereichern das Dortmunder Musikleben um Perspektiven künstlerisch-inklusiver Arbeit, um die Öffnung von Veranstaltungsorten für inklusive Veranstaltungen und um eine wiederholte Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Inklusiven Soundfestival DIS.

4.1 Das Abschlusskonzert: Musikalische Mitteilungen

Drei Jahre DOMO: Musik brauchen ein großes Abschlusskonzert. Ein Konzert das zeigt, was in drei Jahren erreicht wurde. Deshalb „Musikalische Mitteilungen“. Ein Konzert mit Ausblick – deshalb domo vision. 

Das FZW Dortmund, das Freizeitzentrum West ist eine angesagte Location für Konzerte, Partys, Shows und Artverwandtes, vor allem für Jüngere. Am 07. März 2013 stehen 80 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne. 800 Besucher sind gekommen – viele von ihnen haben nur noch auf der Empore Platz.

Es begrüßen Prorektor Univ.-Prof. Dr. Metin Tolan der TU Dortmund, der Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann, Dortmund und der Leitende Ministerialrat Roland Borosch des Bereiches Inklusion im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW.

Ein fulminanter multimedialer Abend nimmt seinen Fortgang. Er ist eine Collage aus Konzert und Dokumentarfilm: Ein Film mit Szenen aus drei Jahren DOMO wird zum Impulsgeber und roten Faden für die fünf Ensembles, die sich perfekt mit dem Film verbinden, sich lösen und wieder neu zusammenfinden. Das große Finale: „We‘ve got the Power“. Großer Applaus. Zugabe, Blumen.

Zum guten Schluss die Mitteilung an alle: mehr domokratie wagen Nein, es ist kein Druckfehler.

4.2 domovision – der Film

80 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne. Fünf Ensembles. Ein Film. Er gibt Einblick in alle Phasen dieses inklusiven Projekts, das unterschiedlichste Menschen musikalisch verbindet. So unterschiedlich wie die Musikerinnen und Musiker, sind auch die Musikstile — von Klassik über Jazz bis hin zu Elektropop. Das sind die Ensembles, die seit 2010 entstanden sind und die bei domo vision auf der Bühne stehen: • NIA extended version — Singer-Songwriter • piano plus — Pianos, Streicher und mehr • Hurricane – Classic Rock • Tatort Jazz und Eastman Company – Jazz • I can be your translator – Elektropop

https://www.youtube.com/watch?v=BIqReCpsR-w  

  1. So geht es weiter

 Noch im Verlauf von DOMO wurde klar: Das muss einfach weitergehn! Eigentlich wollten wir ein Folgeprojekt auflegen, mit dessen Hilfe das Thema „Musikalische Ausbildung von Menschen mit Behinderung“ in den Werkstätten tatsächlich verändert worden wäre – aber das hat niemand gewollt. Entsprechende Anträge gingen ins Leere. Schade. Schade. Also bleibt es bei der nicht-institutionalisierten freien Szene und Kooperationen mit Institutionen. Lebendig, lebendig!

  • I can be your translator

Noch während der Projektzeit entstand I can be your translator. Die erste Produktion war Displace Marilyn Monroe, Premiere im Frühjahr 2014 im domicil in Dortmund. Die besondere Produktionsweise: Das Stück entsteht im Gehen, die klassische Verteilung Autorenschaft, Regie, Produktion und Schauspiel wird aufgehoben. Alle tragen etwas bei. Mehr auf der Homepage: https://www.icanbeyourtranslator.de/ 

pik – Programm für inklusive Kunstpraxis ist ein Förderprogramm der Bundeskulturstiftung – und ICBYT ist Partner im Netzwerk für inklusive Theaterkooperationen geworden. Schaun Sie mal auf diese Seite: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/de/projekte/transformation_und_zukunft/detail/programm_fuer_inklusive_kunstpraxis.html und https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/de/projekte/transformation_und_zukunft/detail/i_can_be_your_translator_und_schauspiel_dortmund.html

  • Tanzorchester Paschulke

„Was nicht passt, wird passend gemacht“ – ein Motto, das der Machermentalität des Ruhrgebiets entspricht, wird zum Leitsatz der neuesten DOMO-Formation: Im Herbst 2013 fragt das Festival „Kultur vom Rande“ in Reutlingen bei DOMO nach einer Brass-Band für das Open Air-Programm im Rahmen des Reutlinger Stadtfestes. Eine gute Gelegenheit für Claudia Schmidt und Lis Marie Diehl, um ein neues Ensemble im Balkan- Stil zu gründen und endlich einmal mit interessanten Kolleg_innen aus dem süddeutschen Raum zusammen zu arbeiten. So werden der Schlagzeuger Raimund Gerbl und die Saxophonistin Uschi Dittus aus dem Projekt „Berufung Musiker“ der Musikschule Fürth eingeladen. Zu den mitwirkenden DOMO-Musiker_innen und Musikprofis aus dem Ruhrgebiet zählen der mazedonische Akkordeonist Time Gorgiev sowie der Saxophonist Dimitri Markitantov aus der Ukraine, die für die original Balkan-Sounds verantwortlich sind. Ergänzt wird die Bläser-Sektion durch Rolf Hartung/Saxophon, Andreas Groß/ Trompete, Richard Käppeler/Posaune. Auch der Hamburger Sänger Carsten Schnathorst von barner 16 mit seinem Faible für die Musik des Balkans und slawische Sprachen darf nicht fehlen. Der nötige Groove wird getragen von der Rhythmuscombo rund um Marc Pawlowski / Schlagzeug, Stephan Lucka / Bass, Linda Fisahn / Percussion und Tobias Müller / Gitarre. Für den Crossover-Faktor ist Mike Herget mit seinen Raps zuständig. Namenspatron der Band ist „Hausmeister Paschulke“ – eine typische Ruhrgebietsfigur, natürlich verkörpert von Sänger und Ruhrpott-Original Bastian Ostermann. Dementsprechend geht es auch kleidungsmäßig eher hausmeisterlich zu: Der Lead-Sänger im grauen Hausmeisterlook, die Damen im Putzkittel, die anderen Herren im standesgemäßen Jogginganzug.

Am 28. Juni 2014 kommt es zur erfolgreichen Premiere in Reutlingen. Ein weiterer Auftritt folgt am 3. Oktober 2014: In Den Haag repräsentiert sich das Land Nordrhein-Westfalen am Tag der Deutschen Einheit. Auf dem zentralen „Plein“ eine Bühne, zehn Zelte. Auf der Bühne das Tanzorchester Paschulke. Standing ovations. Mehr unter https://www.plattform-gesamtkunstwerk.de/tanzorchester-paschulke

  • NIA extended version

Antonia Wohlgemuth, Jazz-Sängerin und Singer-Songwriter, damals noch in Dortmund, heute in Bremen, rief im Kontext der Ausstellung musik inklusiv im September 2012 eine „inklusive Version“ ihrer Ensembles ins Leben. Seither gibt es NIA extd.version – als Thema mit Variationen. 

https://niawohlgemuth.de/nia-extended-version/

  • piano plus

piano plus ist ebenso wie just fun eine der legendären Gründungen von Claudia Schmidt.Gegründet schon vor DOMO-Zeiten, aber im Kontext von DOMO und bis heute mit dem schönen und anspruchsvollen Sound bis Brasilien (siehe oben) unterwegs:https://www.plattform-gesamtkunstwerk.de/piano-plus

  1. Musik als Beruf

Zunächst hat DOMO: Musik gezeigt, dass eine deutliche Anzahl von Werkstattbeschäftigten einen (Nachhol-) Bedarf an musikalischer Erwachsenenbildung, d.h. einen Bedarf an musikalisch-künstlerischer Ausbildung und Aktivität hat.

Zum anderen hat DOMO: Musik die Fragestellung angestoßen, wie sich im Anschluss an eine musikalische Qualifizierung von Werkstattbeschäftigten durch die Mitarbeit in professionellen und inklusiven Ensembles neue berufliche Tätigkeiten und Strukturen im Sinne eines künstlerischen Teilzeit-Arbeitsplatzes denken und entwickeln lassen.

In einer Veröffentlichung haben Lis Marie Diehl und ich das Thema umrissen: DIEHL, Lis Marie; MERKT, Irmgard: Musik als Beruf? Überlegungen aus dem Dortmunder Modell: Musik. In: ZOYKE, Andrea; VOLLMER, Kirsten (Hrsg.): Inklusion in der Berufsbildung:Befunde – Konzepte – Diskussionen. Bielefeld 2016, S. 179-187

In der Weiterentwicklung von DOMO ist in Dortmund durch den Verein gesamtkunstwerk e.V. ein Modell der musikalisch-künstlerischen Qualifizierung von Menschen mit Behinderung entstanden. In Kooperation von Werkstatt bzw. Integrationsfachdienst, TU Dortmund und EvH Bochum, von Musikschule und Verein ist mit Tonstudio 13 – Qualifizierung Musik  eine besondere Ausbildung entstanden:

 Mit dem Projekt TONSTUDIO 13 bietet der Verein gesamtkunstwerk e.V. eine Qualifizierung im Bereich Musik an. Sie richtet sich an musikalisch besonders interessierte und begabte Menschen, die aus verschiedenen Gründen keine Musikhochschule besuchen können. TONSTUDIO 13 schließt damit eine Lücke in der Ausbildungslandschaft.

https://plattform-gesamtkunstwerk.de/tonstudio-13

Für die nächsten Jahre wird sicher die Kombination Werkstatt-Arbeit und externe künstlerische Arbeit als jeweilige Teilzeitbeschäftigung von Interesse sein. Für diese Kombination müssen allerdings noch tragfähige Modelle entwickelt werden, die solche Strukturen finanziell absichern und gleichzeitig eine ständige künstlerische Weiterentwicklung und Qualifizierung der Werkstattbeschäftigten beinhalten. Die Praxis des Dortmunder Modell: Musik hat gezeigt, dass ein Bedarf an solchen Strukturen besteht.

Die Wilo-Foundation in Dortmund unterstützt Tonstudio 13 durch drei Stipendien. Der Bericht der Wilo-Foundation beschreibt die Strukturen und Arbeitsweisen von Tonstudio 13 umfassend: 

https://www.wilo-foundation.de/aktuelles/artikel/tonstudio-13-musikalische-talentfoerderung-und-qualifizierung  

  

  1. Dank

 Unser besonderer Dank gilt

Dr. Eva Krebber-Steinberger (Fach Musik / Fakultät Rehabilitationswissenschaften) Monika Klusenwirth (Geschäftsstellenleiterin / Fakultät  Rehabilitationswissenschaften) Angelika Neuse, Anja Dahlhaus, Christoph Rodatz, Juliane Gerland, Dietmar Schmidt, Oskar Neubauer, Jonas Hinz, allen Mitarbeitenden der Werkstatt der Arbeiterwohlfahrt (WAD), insbesondere Dr. Klaus Hermansen, Thomas Kiesow, Claus Lobenstein, Hendrik Stute, Brigitte Lange, den Werkstätten Gottessegen, insbesondere Martin Körber, Michael Fischer, David Maus, Petra Beckmann und der  Werkstatt über den Teichen (WÜT), insbesondere Frank Samsel, Dr. Daniel Bolte, Gudrun Leibfacher, Marie Sullivan.

Allen kooperierenden Institutionen:

Musikschule Dortmund, insbesondere Volker Gerland, Christine Hartmann-Hilter, Angelika Neuse Max-Wittmann-Schule, insbesondere Frank Schmidt-Kamann, Anja Hormann, Schule Haus am Langendreer, insbesondere Frank Zöllner, Michael Bill, Margit Duberke, Musikschule Bochum, insbesondere Manfred Grunenberg, Rainer Buschmann, Universidade São Paulo (USP), niversidade Fedral do Estado do Rio de Janeiro, FZW Dortmund, Domicil DortmundKultursalon Schiller 37, Gesamtkunstwerk e. V.,  Jugendamt der Stadt Dortmund, Kulturfonds der TU Dortmund. Für die Ausstellung „musik inklusiv“ danken wir dem Kulturfonds der TU Dortmund und der Landesvereinigung für Kulturelle Jugendbildung (LKJ)

Für die Unterstützung der Brasilien-Tournee Piano Plus danken wir der  Landesregierung Nordrhein-Westfalen, dem Lateinamerikabüro der Universitätsallianz Ruhr, der Fakultät Rehabilitationswissenschaften, dem Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo. 

I can be your translator mit der Produktion Displace Marilyn Monroe dankt: InTakt e. V., Aktion Mensch, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Kulturbüro der Stadt Dortmund, NRW Landesbüro Freie Kultur e. V., DEW 21.

Mitarbeit: Dortmunder Modell: Musik Norina Centeno-Bermejo Ulrike Gammel Hannah Gröber Chantal Grüe Sebastian Herbst Christian Hoffmann Julia Hülsken Julius Jeske Lina Jung Frauke Koch Kristin Langer Simona Lumpp Matthias Mückshoff Crispin Müller Ann-Cathrin Niegsch Marie Patzelt Heidi Reiners Sarah Schlüter Pascal Vogt Lorena Wulff 

Instrumentalunterricht Serge Corteyn Franziska Gruner Milli Häuser Sebastian Herbst Achim Kämper Philipp Kreperat Reinhard Kruber Hendrik Lensing Judith Pielsticker Alex Pinto Beate Rodenhäuser Sarah Schlüter Martin Siehoff Pascal Vogt Christoph Wiese

Workshops Tobias Bade Jane Bentley Christian Fleck Christoph Grothaus Steffen Naumann Alexander Tsitsigias

DOMO Musikerinnen und Musiker Anita Aruntharavaja Roman Babik Stephanie Bernhard Alexander Bilk Sarah Borowski Constance Boyde Ekrem Cobarloglu Ana Corsten Serge Corteyn Hoang Tam Do Frank Dönitz Kathrin Eckhoff Linda Fisahn Eva Fischer Christian Fleck Dirk Föllmer Benjamin Franke Siyavash Gharibi Johannes Goltz Jonas Görlach Volker Groenwald Markus Günther Sonja Hansen Milli Häuser Stephanie Heidgen Mike Herget Daniel Herröder Manuel Hilleke Annette Hillinger Reiner Ibel Markus Isenbruch Gerd Peter Jansen Heike Jordan Robert Jörgens Angela Kaballo Achim Kämper Michael Kehraus Uwe Kellerhoff Marvin Kollosch Alexander Koschany Philipp Kreperat Reinhard Kruber Yvonne Kuhnke Ute Lange Julia Lechtape Christian Lenzian Norbert Manghofer Tobias Müller Fernando Müller-Habig Harold Nardelli Bastian Nau Alexander Nowakowski Bastian Ostermann Judith Pielsticker Alex Pinto Claudia Pottinger Thomas Rauer Philipp Rausch Anna Reizbikh Beate Rodenhäuser Lars Ulf Rüdiger Stefanie Rutz Schäfer Christian Schatka Thomas Schauer Heidi Schinkelewitz Florian Schlechtriemen Burkhard Schmidt Markus Schöler Christian Schöttelndreier Steav Schran Felix Schröder Dennis Shafi-Azad Martin Siehoff Stefan Singh Ganjia Smarka Stephan Smirlowski Anke Smorlarski Svenja Stedtler Maria Stier Alba Strauß Stefan Straußberger Sebastian Stuber Daria Tadus Noel Tiedtke Alexander Tsitsigias Dennis Übel Tieu Kha Vu Laurens Wältken Christoph Wiese Alexander Will Ephraim Winkler Antonia Wohlgemuth Marcel Wurlitzer Hüsseyin Yakar Rene Zander Pia Ziemons

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